Weniger Lebensmittelverschwendung beginnt mit dem ersten Schritt

Küchenleitung der JVA Oldenburg, Holger Saberau, © Peter Berthold

Warum die JVA Oldenburg jetzt ihre Speiseabfälle misst – und warum das auch für andere Großküchen spannend ist

Jedes weggeworfene Lebensmittel hat bereits wertvolle Ressourcen verbraucht – von Wasser und Energie über Arbeitszeit bis hin zu Transport und Verarbeitung. Trotzdem landen allein in Deutschland jedes Jahr rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Ca. 2 Millionen Tonnen davon entstehen in der Außer-Haus-Verpflegung, also in Kantinen, Schulen, Kitas, Krankenhäusern oder Senioreneinrichtungen. (Quelle: BMLEH, Stand 2022)

Genau hier setzen wir von eat an. Gemeinsam mit den GreenGuides begleiten wir verschiedene Großküchen in der Region Oldenburg und Wesermarsch dabei, ihre Speiseabfälle systematisch zu erfassen und zu reduzieren. Eine dieser Einrichtungen ist die Justizvollzugsanstalt Oldenburg.

Ein Blick hinter die Kulissen

In der Küche der JVA Oldenburg werden täglich mehr als 300 warme Mahlzeiten zubereitet. Küchenleiter Holger Saberau, sein Team und neun Gefangene sorgen dafür, dass die Verpflegung den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entspricht und unterschiedliche Ernährungsbedürfnisse berücksichtigt.

Mit der Teilnahme an der Speiseabfallmessung möchte die JVA ihre Prozesse weiter verbessern. „Für uns ist die Teilnahme weit mehr als ein Umweltprojekt. Sie ist ein wichtiger Bestandteil unseres Qualitätsmanagements. Wenn wir genau wissen, wo Lebensmittel verloren gehen, können wir unsere Abläufe gezielt verbessern. Das spart Ressourcen und eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten, die Qualität unserer Verpflegung weiter zu steigern.“, sagt Küchenleiter Holger Saberau.

Messen statt schätzen

Begleitet wird die JVA von den GreenGuides, einem auf Speiseabfallmanagement spezialisierten Unternehmen, das 2026 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde.

Das Prinzip ist einfach: Messen – analysieren – optimieren – kontrollieren.

Anhand der vorhandenen Warenwirtschaft werden Kennzahlen pro ausgegebener Mahlzeit ausgewertet. So werden Einsparpotenziale sichtbar, ohne Küchen unterschiedlicher Größe miteinander zu vergleichen.

„Niemand verschwendet Lebensmittel mit Absicht. Deshalb arbeiten wir nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern gemeinsam mit den Küchenteams. Wer misst, versteht seine Abläufe besser – und entdeckt oft überraschend einfache Möglichkeiten, Lebensmittel einzusparen. Schon während der Messphase erleben wir häufig, dass Mitarbeitende sensibler mit Lebensmitteln umgehen und sich erste Verbesserungen ergeben“, erklärt Philip Ibrom von den GreenGuides.

eat bringt die richtigen Partner zusammen

Die Zusammenarbeit wurde durch unser Projekt initiiert. Unsere Küchenberaterin Tina Hinderlich begleitet die JVA bereits seit einigen Monaten und unterstützt die Einrichtung bei verschiedenen Themen rund um eine nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung.

„Dass Küchen bereit sind, Zeit und Engagement in eine solche Messung zu investieren, verdient große Anerkennung. Genau diese Offenheit ermöglicht echte Veränderungen. Unser Ziel ist es, Küchen auf ihrem Weg zu begleiten, Erfahrungen zu vernetzen und gemeinsam praktikable Lösungen für mehr Nachhaltigkeit zu entwickeln“, sagt Tina Hinderlich.

Erfolgreicher Auftakt

Beim gemeinsamen Kick-off in der JVA Oldenburg erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Arbeit der Einrichtung und den Ablauf der Speiseabfallmessung. Vertreterinnen und Vertreter der JVA, der GreenGuides, der Stadt Oldenburg und unseres Projekts nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch.

Die Bereitschaft der JVA, ihre Abläufe kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, wurde von allen Beteiligten ausdrücklich begrüßt.


Lebensmittelverschwendung in Deutschland

  • Rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jährlich weggeworfen.
  • Ca. 2 Millionen Tonnen davon entstehen in der Außer-Haus-Verpflegung.
  • Jeder vermiedene Lebensmittelabfall spart CO₂, Wasser, Energie und Kosten.
  • Bereits kleine Verbesserungen in Großküchen können über ein Jahr mehrere Tonnen Lebensmittel einsparen.

Gemeinsam Lebensmittelverschwendung reduzieren

Die Speiseabfallmessung in der JVA Oldenburg zeigt: Nachhaltigkeit beginnt oft mit einem einfachen Schritt – dem genauen Hinsehen. Wer seine Lebensmittelabfälle kennt, kann Prozesse verbessern, Ressourcen schonen und gleichzeitig wirtschaftlicher arbeiten.

Sie möchten das Thema Lebensmittelverschwendung ebenfalls in Ihrer Einrichtung angehen?

Unsere Küchenberaterin begleitet Einrichtungen in den Regionen Oldenburg und Wesermarsch auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Gemeinschaftsverpflegung. Sprechen Sie uns gerne an – wir unterstützen Sie bei den ersten Schritten.


Foto: Küchenleitung Holger Saberau – © Peter Berthold