Bio muss nicht kompliziert sein
Wer bei Bio-Lebensmitteln in Kantinen, Schulen, Kitas oder Senioreneinrichtungen sofort an hohe Kosten, aufwendige Umstellungen oder komplizierte Beschaffung denkt, ist nicht allein. Tatsächlich zeigen viele Beispiele aus der Praxis jedoch: Mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) ist oft leichter umzusetzen als erwartet.
Der Schlüssel liegt meist nicht in großen Veränderungen, sondern in vielen kleinen Schritten. Oft reicht es, zunächst einzelne Produktgruppen wie Kartoffeln, Möhren oder Milchprodukte vollständig auf Bio umzustellen. Das vereinfacht die Lagerhaltung, reduziert organisatorischen Aufwand und macht den Einstieg in mehr Bio überraschend unkompliziert. Saisonale Speisepläne schaffen zusätzliche finanzielle Spielräume und durch eine gute Vernetzung von Erzeugern, Lieferanten und Küchen entstehen praktikable Lösungen für den Alltag.
Gleichzeitig wächst das Interesse an ökologisch erzeugten Lebensmitteln – sowohl bei Gästen als auch bei Einrichtungen selbst. Denn Bio steht nicht nur für Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch für Transparenz, Qualität und eine nachhaltige Landwirtschaft in der Region.
Fünf Wege zu mehr Bio auf dem Teller
Viele Einrichtungen fragen sich: Wo fangen wir an? Die gute Nachricht: Es muss nicht gleich die komplette Küche umgestellt werden.
1. Schritt für Schritt starten
Kartoffeln, Möhren, Milchprodukte oder Haferflocken eignen sich häufig gut für einen Einstieg in Bio-Qualität. Kleine Veränderungen können bereits große Wirkung entfalten.
2. Saisonale Produkte nutzen
Wer saisonal plant, kann Bio-Produkte oft wirtschaftlicher einsetzen. Gleichzeitig profitieren regionale Erzeuger und die Transportwege werden kürzer.
3. Pflanzliche Gerichte stärken
Mehr Hülsenfrüchte, Gemüse und Getreide entsprechen den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und schaffen Spielräume beim Wareneinsatz.
4. Ausschreibungen bewusst gestalten
Gerade öffentliche Einrichtungen verfügen über einen wichtigen Hebel: Bereits bei Ausschreibungen können Nachhaltigkeits- und Bio-Kriterien berücksichtigt werden. So entstehen langfristige Anreize für die Nutzung ökologischer Lebensmittel und Planungssicherheit für Betriebe entlang der Wertschöpfungskette.
5. Austausch und Netzwerke nutzen
Viele Lösungen existieren bereits. Wer sich mit anderen Küchen, Verwaltungen, Erzeugern oder Lieferanten austauscht, kann von deren Erfahrungen profitieren und eigene Herausforderungen schneller lösen.
Öffentliche Ausschreibungen als Chance
Ein oft unterschätzter Faktor für mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung sind öffentliche Ausschreibungen. Kommunen, Schulen, Kitas oder andere öffentliche Einrichtungen können bereits bei der Vergabe von Verpflegungsleistungen wichtige Weichen stellen.
Dabei müssen nicht einzelne Produkte vorgeschrieben werden. Vielmehr können Anforderungen an Qualität, Nachhaltigkeit oder bestimmte Bio-Anteile definiert werden. Auf diese Weise lassen sich ökologische Ziele mit den Vorgaben des Vergaberechts verbinden und nachhaltige Lieferketten stärken.
Gemeinsam an Lösungen arbeiten
Wie groß das Interesse an diesem Thema ist, zeigte auch der Workshop, den wir im April im Rahmen unseres Projekts veranstaltet haben.
19 Teilnehmende aus Verwaltung, Catering, Politik, Logistik, Lebensmittelgroßhandel sowie dem Schulwesen kamen zusammen, um sich über Möglichkeiten und Herausforderungen beim Einsatz von Bio-Lebensmitteln in der Außer-Haus-Verpflegung auszutauschen.
Besonders wertvoll war dabei die Vielfalt der Perspektiven. Denn mehr Bio gelingt nicht allein in der Küche. Auch Beschaffung, Logistik, Vergabeprozesse und politische Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle.
„Genau diese Mischung der Teilnehmenden macht solche Veranstaltungen so wertvoll. Wenn Verwaltung, Politik, Erzeugung, Handel und Küchen gemeinsam an einem Tisch sitzen, entstehen neue Perspektiven und oft auch ganz konkrete Ansätze für zukünftige Kooperationen. Der Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten funktioniert nur gemeinsam“, sagt unsere Wertschöpfungskettenmanagerin, Jutta Benken.
Mehr Bio braucht Zusammenarbeit
Der Workshop hat einmal mehr gezeigt: Die Bereitschaft, den Anteil ökologischer Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung zu erhöhen, ist vorhanden. Häufig fehlt es nicht am Willen, sondern an Informationen, Kontakten oder dem Wissen über praktikable Lösungswege.
Genau hier setzen wir von eat an. Durch Beratung, Vernetzung und den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten unterstützen wir Küchen, Verwaltungen und Erzeuger dabei, mehr regionale und ökologische Lebensmittel auf die Teller zu bringen – Schritt für Schritt und praxisnah.
Denn Bio muss nicht kompliziert sein.