Regio Wochen 2026: Regional genießen – vom Schulessen bis zur Großküche

Regio Wochen 2026

Wie kommen mehr regionale Lebensmittel auf unsere Teller? Die Regio Wochen 2026 haben gezeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten sind: Vom gemeinsamen Kochen in der Schule über kreative Mensagerichte bis zur Versorgung vieler Einrichtungen mit regionalen Produkten. Fünf Beispiele aus Oldenburg und der Wesermarsch machen deutlich, dass regionale Ernährung im Küchenalltag funktionieren kann.

Vom 7. bis 27. September standen bei den Regio Wochen regionale Lebensmittel im Mittelpunkt. Wir von eat haben Gastronomie, Kantinen, Schulen und weitere Einrichtungen dazu eingeladen, regionale Zutaten gezielt auf den Speiseplan zu setzen und ihren Gästen die Herkunft der Lebensmittel transparent zu machen.

Die Idee dahinter: Wenn regionale Produkte häufiger in der Außer-Haus- und Gemeinschaftsverpflegung eingesetzt werden, stärkt das die Nachfrage nach heimischen Erzeugnissen und unterstützt regionale Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig können Gäste entdecken, wie vielseitig und lecker regionale Küche sein kann.

Als regional galten bei den RegioWochen Lebensmittel, die innerhalb eines Umkreises von maximal 100 Kilometern erzeugt wurden. Die teilnehmenden Einrichtungen boten mindestens an zwei Tagen pro Woche ein Gericht an, das zu mindestens 50 Prozent aus regionalen Zutaten bestand.

Fünf Einrichtungen zeigen besonders anschaulich, wie unterschiedlich regionale Ernährung umgesetzt werden kann.

Schule am Siel: Gemeinsam kochen und dabei fürs Leben lernen

An der Schule am Siel gehört Essen weit über die reine Verpflegung hinaus zum Lernalltag. Im Rahmen des Ganztagsprogramms kochen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit einer Lehrkraft und einer Hauswirtschaftskraft für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Rund 60 Mittagessen werden dabei frisch zubereitet. Auch die Planung, die Ausgabe und das anschließende Aufräumen gehören dazu.

Während der RegioWochen standen unter anderem Kartoffelpuffer mit Apfelkompott auf dem Speiseplan. Dafür kamen Kartoffeln von Schröder Kartoffeln aus Nordenham, Äpfel aus Brake und Eier aus Nordenham zum Einsatz. An einem weiteren Tag gab es Möhren-Kartoffel-Suppe mit Möhren von Bioland Hof Allers aus Neuenkirchen, Zwiebeln vom Bioland Hof Gerdes aus Schortens und Kürbis aus Jürgens Garten in Achterstadt.

So lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur den Umgang mit Lebensmitteln und die Abläufe einer Küche kennen. Sie erleben auch ganz praktisch, woher Zutaten kommen und wie daraus ein Mittagessen entsteht. Das mehrfach ausgezeichnete Mensakonzept zeigt, wie sich Ernährung, Selbstständigkeit und Wertschätzung miteinander verbinden lassen. Eine Bio-Zertifizierung ist ebenfalls in Arbeit.

Jugendherberge Oldenburg: Was einmal aufwendig war, gehört heute dazu

Die Jugendherberge Oldenburg nahm 2026 bereits zum dritten Mal an den Regio Wochen teil. Küchenleiter Fares Baltaji kann dabei auf eine Entwicklung zurückblicken: Im ersten Jahr erforderte die Teilnahme noch einige Absprachen mit den Zulieferern. Inzwischen lassen sich regionale Gerichte unkompliziert in den Speiseplan integrieren – und finden auch außerhalb der Regio Wochen immer wieder ihren Platz.

„Heute sind die Regionalgerichte ganz einfach umzusetzen und werden auch außerhalb der Regio Wochen immer wieder in den Speiseplan integriert“, berichtet Fares Baltaji.

Auf dem diesjährigen Speiseplan stand unter anderem ein Blumenkohlbraten auf Kartoffel-Lauch-Stampf mit Bröselbutter, Apfelrotkraut und Rahmsoße. Das Gericht zeigt, wie kreativ regionale Zutaten eingesetzt werden können.

Für die Jugendherberge sind die Regio Wochen ein sinnvoller Impuls, um regionale Lebensmittel noch stärker in den Blick zu nehmen. Denn wenn Küchen feststellen, dass der Einkauf gut organisierbar ist und die Gerichte bei den Gästen ankommen, fällt es leichter, regionale Angebote dauerhaft in den Alltag zu übernehmen.

Cäciteria: Fünf Lasagne-Varianten und regionale Zutaten

Wie vielseitig regionale Zutaten in einer Schulmensa eingesetzt werden können, zeigte die Cäciteria der Cäcilienschule. Küchenleiterin Petra Frerichs bot während der RegioWochen unter anderem eine Salatbar mit regionalen Zutaten und Lasagne in fünf verschiedenen Variationen an. Auf den Tisch kamen beispielsweise Varianten mit Zucchini, Brokkoli und Lauchzwiebeln sowie die klassische Version mit Rinderhack. Das Angebot kam bei den Schülerinnen und Schülern sehr gut an.

Ein Teil der Zutaten wird direkt über die Regiothek Nordwest bestellt. Auf dem digitalen Marktplatz können Küchen regionale Produkte verschiedener Erzeugerbetriebe finden und beziehen. Die Bestellungen werden gebündelt, sodass die Produkte in einer gemeinsamen Lieferung ankommen können.

Petra Frerichs schätzt diese Möglichkeit: „Mit der Regiothek kann ich Produkte von ganz unterschiedlichen Erzeugenden einfach in einer Bestellung anliefern lassen. Das ist für mich eine echte Erleichterung beim Einkauf regionaler Produkte – und dazu überzeugen mich Qualität und Frische der Ware.“

Das Beispiel der Cäciteria macht deutlich, wie digitale Lösungen den regionalen Einkauf erleichtern können. Wenn die Beschaffung einfacher wird, bleibt mehr Spielraum, regionale Zutaten vielfältig in der Küche einzusetzen.

EKS: Mehr als 90 Prozent regionaler Warenwert

Dass regionale Beschaffung auch in größeren Versorgungsstrukturen möglich ist, zeigt die Evangelische Krankenhaus Service gGmbH (EKS). Während der RegioWochen lieferte das Unternehmen insgesamt 1.144 Regio-Menüs an rund 22 Kunden aus. Der monetäre Anteil regionaler Produkte lag dabei bei mehr als 90 Prozent.

Die EKS setzt schon seit vielen Jahren auf ein starkes Netzwerk regionaler Partner. Die Regio Wochen boten dennoch einen besonderen Anlass, die Herkunft der eingesetzten Lebensmittel stärker in den Mittelpunkt zu stellen und gegenüber den Kunden transparent zu machen. Außerdem nutzte das Unternehmen die Regiothek, um neue Lieferanten und ihre Produkte kennenzulernen.

Aus Sicht der EKS sind die Regio Wochen deshalb mehr als eine zeitlich begrenzte Aktion: Sie schaffen Aufmerksamkeit für regionale Lebensmittel und eröffnen die Möglichkeit, das eigene Lieferantennetzwerk zu erweitern.

Das Beispiel zeigt, dass Regionalität nicht nur in kleineren Küchen oder bei einzelnen Gerichten funktioniert. Auch größere Verpflegungsstrukturen können regionale Produkte in erheblichem Umfang einsetzen – wenn passende Lieferbeziehungen und eine gute Organisation zusammenkommen.

Reha-Zentrum: Regionale Gerichte und fachlicher Austausch

Auch das Reha-Zentrum, das von der EKS mit Verpflegung beliefert wird, beteiligte sich über die angebotenen regionalen Gerichte an den Regio Wochen. Ergänzend dazu besuchte unser eat-Projektkoordinator Nils Marscheider die Einrichtung, um sich mit den Verantwortlichen über regionale und nachhaltige Verpflegung auszutauschen.

Am Gespräch nahmen Dr. Elke Strangmann, Leiterin der Ernährungstherapie, Heiko Mächling, Objektleiter und verantwortlich für Verpflegung und Küche, sowie Claudia Bischof aus dem Bereich Marketing und Kommunikation teil.

Dabei wurde deutlich, wie viele Aspekte bei der Verpflegung in einer Einrichtung zusammenspielen. Neben der Herkunft der Lebensmittel müssen auch die Anforderungen der Ernährungstherapie, die praktische Umsetzung in der Küche, die Organisation der Versorgung und die Kommunikation gegenüber den Gästen berücksichtigt werden.

Solche Gespräche sind für uns bei eat ein wichtiger Bestandteil der regionalen Vernetzung. Sie helfen, unterschiedliche Anforderungen zusammenzubringen und Möglichkeiten zu identifizieren, wie regionale Ernährung langfristig stärker in der Außer-Haus-Verpflegung verankert werden kann.

Bilder: © Reha-Zentrum Oldenburg, Lukas Lehmann

Regio Wochen: Ein Impuls, der über drei Wochen hinauswirken soll

Die fünf Beispiele zeigen, wie unterschiedlich regionale Ernährung in der Praxis aussehen kann: Schülerinnen und Schüler lernen beim gemeinsamen Kochen den Wert von Lebensmitteln kennen, eine Jugendherberge integriert regionale Gerichte selbstverständlich in ihren Speiseplan, eine Mensa nutzt digitale Unterstützung beim Einkauf und ein großer Verpflegungsdienstleister setzt regionale Produkte in erheblichem Umfang ein.

Gemeinsam ist den Einrichtungen, dass sie regionale Lebensmittel konkret in ihren Alltag bringen. Dabei spielen nicht nur gute Produkte eine Rolle, sondern auch passende Lieferbeziehungen, praktikable Einkaufswege, kreative Speiseplanung und der Austausch zwischen den Beteiligten.

Genau hier setzen wir an: Wir begleiten Küchen, bringen Erzeuger und Verarbeiter mit Abnehmern zusammen und unterstützen den Wissenstransfer rund um regionale und nachhaltige Ernährung.

Die Regio Wochen machen solche Ansätze sichtbar und ermutigen dazu, Neues auszuprobieren. Denn regionale Ernährung muss keine Ausnahme bleiben. Sie kann Schritt für Schritt zu einem selbstverständlichen Bestandteil unseres Essens werden.

Unser Dank gilt allen Einrichtungen, Küchen, Erzeugerbetrieben und Beteiligten, die die Regio Wochen 2026 mitgestaltet und regionale Ernährung in unserer Region auf den Teller gebracht haben.