Mehr Regionalität auf dem Teller: Wie die Regiothek Küchen und Erzeuger zusammenbringt

Die Regiothek Nordwest

Eine Plattform für mehr regionale Lebensmittel

Regionale Lebensmittel sind gefragt – doch im Alltag landen sie noch zu selten auf den Tellern von Kantinen, Kitas, Schulen oder Pflegeeinrichtungen. Dabei wünschen sich viele Menschen genau das: frische Produkte aus der Region, nachvollziehbare Herkunft und kurze Lieferwege. Mit der Regiothek Nordwest entsteht in den Regionen Oldenburg und Wesermarsch nun eine Lösung, die genau hier ansetzt.

Die digitale Plattform bringt Erzeugerbetriebe, Verarbeitende und Küchen der Außer-Haus-Verpflegung zusammen – einfach, transparent und praxisnah. Hier in der Region wird die Regiothek Nordwest in enger Kooperation des Verbundprojekts EAT mit biOLogisch von ProZept e.V. umgesetzt. Ziel ist es, regionale Lieferbeziehungen zu stärken und so langfristig mehr regionale Lebensmittel in die Gemeinschaftsverpflegung zu bringen.

Warum regionale Lieferbeziehungen alle betreffen

Davon profitieren nicht nur Betriebe, sondern vor allem die Menschen, die täglich in öffentlichen Einrichtungen essen. Denn mehr regionale Produkte bedeuten kürzere Transportwege, frischere Zutaten und mehr Transparenz darüber, woher das Essen kommt. Gleichzeitig bleibt die Wertschöpfung in der Region – ein Gewinn für Landwirtschaft, Umwelt und Gesellschaft.

Wenn Angebot und Nachfrage schwer zusammenfinden

Damit reagiert die Regiothek auf ein zentrales Problem: Bisher war es für Küchen oft aufwendig, mit vielen einzelnen Erzeugern zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig stehen gerade kleinere landwirtschaftliche Betriebe vor der Herausforderung, Vertrieb und Logistik eigenständig zu organisieren. Die Plattform bringt beide Seiten zusammen und erleichtert den Austausch.

„Der Wunsch nach einer Bündelung regionaler Erzeugnisse und einer unterstützenden externen Logistik wurde von Erzeugerbetrieben in den vergangenen Jahren immer wieder an uns herangetragen. Das hat uns darin bestärkt, nach einer praxisnahen Lösung für die Region zu suchen“, erklärt Jutta Benken vom Projekt EAT, die die Entwicklung der regionalen Wertschöpfungsketten begleitet.

Die Regiothek als praktische Lösung

Die Regiothek soll genau hier ansetzen: Als zentrale digitale Schnittstelle erleichtert sie Küchen den Einkauf regionaler Produkte und eröffnet Erzeugern neue, realistische Absatzmöglichkeiten. Bestellungen, Abrechnung und perspektivisch auch logistische Prozesse können gebündelt organisiert werden – ein wichtiger Schritt, um regionale Lieferbeziehungen alltagstauglicher zu machen.

Für Erzeuger bedeutet das: Sie können ihre Produkte sichtbar machen, neue Kundinnen und Kunden erreichen und ihre Angebote einfacher vermarkten – ohne allein für Vertrieb und Logistik verantwortlich zu sein. Küchen wiederum erhalten einen strukturierten Überblick über regionale Produkte und können diese unkompliziert in ihren Speiseplan integrieren.

Auch aus Sicht des Projekts biOLogisch von ProZept e.V. ist die Regiothek ein wichtiger Schritt: „Gerade für kleinere Betriebe ist es entscheidend, Vertrieb und Logistik nicht allein stemmen zu müssen. Die Regiothek ermöglicht es, Überhänge einfacher zu vermarkten und gleichzeitig langfristige Handelsbeziehungen aufzubauen“, sagt Vera Stolle-Brüers, Projektkoordinatorin bei ProZept e.V.

Erfolgreiches Modell mit Vorbildcharakter

Ein Blick in andere Regionen zeigt, welches Potenzial in der Plattform steckt: In Bayern wird die Regiothek bereits erfolgreich in mehreren Regionen eingesetzt und unterstützt dort schon heute die Zusammenarbeit zwischen Erzeugern und Großküchen. Diese Erfahrungen fließen nun in die Umsetzung im Nordwesten ein.

Transparenz schafft Vertrauen

Ein zentrales Element der Plattform ist dabei Transparenz: Über eine interaktive Karte wird sichtbar, welche Betriebe und Produkte es in der Region gibt. Das erleichtert nicht nur den Einkauf, sondern stärkt auch Vertrauen und Vernetzung zwischen den Akteuren.

Im Februar wurde die Regiothek im Rahmen einer gut besuchten Auftaktveranstaltung erstmals in der Region vorgestellt. Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Außer-Haus-Verpflegung und Logistik kamen zusammen, um sich auszutauschen und die Plattform kennenzulernen – ein deutliches Zeichen für das große Interesse und den Bedarf.

Jetzt Teil der Regiothek werden

Interessierte Betriebe können sich bereits jetzt unverbindlich auf der Plattform registrieren und Teil der Regiothek werden. Sowohl das Projekt EAT als auch biOLogisch unterstützen bei Fragen rund um den Einstieg und die Nutzung, sodass der Zugang möglichst einfach gelingt.

Gemeinsam für ein regionales Ernährungssystem

EAT begleitet in der Region gezielt Küchen und Betriebe dabei, ihr Angebot nachhaltiger und regionaler auszurichten und Wertschöpfungsketten zu stärken. Das Projekt biOLogisch setzt sich ergänzend für eine ökologische und zukunftsfähige Außer-Haus-Verpflegung ein. Gemeinsam bringen beide Projekte ihre Erfahrungen ein, um die Regiothek als praxisnahe Lösung vor Ort zu etablieren.

Langfristig soll die Regiothek zu einem digitalen Marktplatz ausgebaut werden, über den Küchen ihre Waren direkt bei regionalen Betrieben bestellen können – inklusive gebündelter Bestellungen, Abrechnung und logistischer Lösungen. Damit wird ein wichtiger Schritt hin zu einem funktionierenden regionalen Ernährungssystem gemacht.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das vor allem eines: mehr regionales Essen im Alltag – nicht nur auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen, sondern auch dort, wo täglich viele Menschen versorgt werden.

Hinweis: Dieser Artikel wurde ebenfalls in der Juniausgabe (2026) der Oldenburger Monatszeitung veröffentlicht.